Johannes Pichl, der Jüngere (abt 1580-1625)

Aus dem Tiefenbacher Grundbuch ist zu erfahren, dass Johannes Pichl, der Ältere, und dessen Ehefrau vor Februar 1610 verstorben sind und neun Kinder hinterlassen haben, die zum Teil noch klein sind. Nur der älteste Sohn Johannes Pichl ist in der Lage, den Hof zu betreiben, woraufhin der Hof von Richtern und Geschworenen an ihn gegeben wird. Zuvor war der Hof in Augenschein genommen und sein Wert auf 190 Rheinische Gulden geschätzt worden.

Die hinterlassenen Kinder von Johannes Pichl, dem Älteren, und Geschwister des Johannes, dem Jüngeren, können aufgrund ihrer Minderjährigkeit noch nicht in Arbeit gegeben werden. Johannes erklärt sich als künftiger Hofbesitzer dazu bereit, zwei der Kinder auf dem Hof zu behalten und mit Kost und Kleidern zu versorgen, und zwar „auß brüderlicher lieb und treu“ und „solang sie […] ihr Prod erwerben und nutz sein können“. Wegen der Aufnahme der beiden Kinder wird der Kaufpreis des Hofs vom Amt auf 150 Gulden reduziert und der Verkauf wird im Februar 1610 abgeschlossen. Die Anzahlung soll 15 Gulden betragen, sie wird jedoch für ein Jahr (bis 1611) gutgeschrieben. Denn auf dem Hof ist kein Saatgut und Getreide vorhanden, so dass Johannes beides zuerst anschaffen muss. Die jährlichen Raten von 10 Gulden werden dann jeweils zu Martini fällig.

Johannes‘ Geschwister gehen noch eine ganze Weile leer aus. Denn sein Vater hat Schulden in Höhe von rund 100 Gulden gemacht, und wie üblich werden alle Erbanteile in Raten zuerst an die vielen Gläubiger gezahlt, bevor die eigentlichen Erben bedacht werden können. Unter den Gläubigern sind u.a. folgende Personen genannt: Andreas Engel, Georg Breitfelder, Christoph Sack, Matthias Ruprecht und Christoph Pichl aus Schlaggenwald. Im September 1616 wird dann im Grundbuch festgehalten, dass die Schulden beglichen sind und dass den neun Erben und Geschwistern nun noch jeweils 6 Gulden 14 zustehen. Martin Pichl, einer der Erben, sei aber „ins fremde land gezogen“ und habe seinen Teil den Miterben abgetreten.

Als Johannes Pichl ab 1622 (und vermutlich aufgrund des Kriegs) nicht mehr in der Lage ist, seinen Zahlungen nachzukommen, verliert er seinen Hof. Vor 1625 ist er entweder verstorben oder hat seinen Hof verlassen, denn im Jahr 1625 wird dieser vom Amt an den Folgebesitzer Erhard Friedrich gegeben. Der Wert wird auf 200 Böhmische Gulden festgesetzt. Noch ist Johannes jeweils 25 Gulden an sechs Geschwister schuldig. Ihre Anteile werden vom neuen Besitzer Erhard Friedrich an Christoph, Margaretha, Christina und Nikolaus gezahlt. Daneben ist auch ein Waisengeld für Kinder des Johannes aufgeführt. Deren Namen sind bislang nicht erforscht.

Keines der Kinder des Johannes Pichl erbt oder kauft dessen Hof. Die Besitzerreihenfolge des Hofs nach Johannes Pichl, dem Jüngeren, lautet: Erhard Friedrich, Johann Dietrich, Johann Erler, Christoph Erler, Gottfried Hochberger. Aus Matriken der Ortschaft Untertiefenbach lässt sich anhand der Nachkommen des Gottfried Hochberger ableiten, dass es sich bei dem ab Besitzer Erler geteilten Hof um Untertiefenbach 11 handelt.

Quellenangaben:
Grundbuch für Tiefenbach (1606-1794), 41 ff. www.portafontium.eu
Matriken für Tiefenbach. www.portafontium.eu