Familie Grünes in Tiefenbach und Umgebung

Katholische Kirchenbücher der Pfarrei Petschau verzeichnen ab dem frühen 18. Jahrhundert Taufen, Eheschließungen und Sterbefälle für Tiefenbacher Familien des Nachnamens Krines, Kriniß oder Krineß, deren Nachname später in Grünes abgewandelt wurde. Deren Verwandtschaft lässt sich mithilfe der in den späteren Kirchenbüchern angegebenen Hausnummern weitgehend klären. Für den Zeitraum vor 1730 liegt jedoch hinsichlich der Familienzugehörigkeiten und der Herkunft einzelner Personen einiges noch im Dunkeln.

Die nachfolgende Aufstellung von Einzelpersonen und Familien zeigt Fakten auf, die bislang (Stand August 2022) recherchiert wurden. Zum Teil halfen dabei alte Grund- und Schuldbücher sowie Personenverzeichnisse. Des Weiteren fanden sich mehrere Einträge in Schönfelder und Schlaggenwalder Kirchenbüchern, die jedoch nur zum Teil auf die Tiefenbacher Familien Bezug nehmen.

Schlaggenwalder Matrikeleinträge (16. Jahrhundert)

Ein früher Vertreter des Nachnamens Grünes, der um 1550 geboren sein dürfte, steht vorläufig noch isoliert für sich. Eine Verbindung zu den Tiefenbacher Familien ist nicht nachgewiesen. Ich will ihn dennoch nicht unerwähnt lassen, da er in der Nähe tätig war. Es handelt sich um Christoph Grünes (Christoff Krines), der ab 1581 als lutherischer Pfarrer in Karlsbad tätig war und aus Schlaggenwald stammte, wie sein eigenhändig geschriebener Eintrag im ersten Karlsbader Kirchenbuch bekannt gibt.

Tatsächlich finden sich weitere Einträge für mögliche Verwandte dieses Christoph Grünes in Schlaggenwalder Matriken.

  • Zum einen gibt es in Taufmatrikeln Angaben zu einer Familie Wolf Grünes, die aus Trossau stammen soll. Wolfs Kinder Andreas, Margaretha, Elisabeth, Magdalena, Katharina und Johann werden zwischen 1559 und 1567 in Schlaggenwald getauft. Der Name der Mutter ist nicht angegeben.
  • Daneben findet sich ein Namensvetter Wolf Grünes, dessen Kinder Maria und Abraham von 1583 bis 1586 in Schlaggenwald getauft werden. Der Name der Mutter ist Maria.Da Matriken zwischen 1567 und 1583 fehlen, kann leider nicht festgestellt werden, ob es sich bei den beiden Familienvätern um dieselbe Person handelt.
  • Weitere Taufen für eine Grünes-Familie in Schlaggenwald beziehen sich auf die Familie des Andreas Grünes und der Katharina Schöppl (möglicherweise auch Schöffel oder Schoeberl). Alle Kinder sind zwischen 1588 und 1596 in Stirn zur Welt gekommen, dem Ort, aus dem ihre Mutter stammt. Jedoch ist anlässlich der Taufe des ersten Kindes angegeben, der Vater Andreas stamme aus Tiefenbach.

Tiefenbacher Familien in Schönfelder Matriken

Grundbucheintragungen zeigen an, dass mehrere Grünes-Familien bereits vor 1600 in den Ortschaften Untertiefenbach und Obertiefenbach lebten und dort Höfe besaßen. Bestätigt wird dies auch durch Aufzeichnungen in den Kirchenbüchern des benachbarten Schönfeld, wo zwischen 1550 bis 1600 einige Kinder des Nachnamens Grünes (Krines, Kriniß) in der Katharinenkirche getauft wurden. Die Herkunft der Eltern ist teils mit Tiefenbach, teils explizit mit Untertiefenbach und Obertiefenbach angegeben. Einige der Familien lebten wohl auch in Schönfeld, da sich dortige Sterbefälle in den Matriken finden lassen. Alle Grünes-Familien waren zu dieser Zeit und bis ungefähr 1628, als die Rekatholisierung einsetzte, evangelisch.

Grünes-Familien in Obertiefenbach (Anfang 17. Jahrhundert)

Wolf und Magdalena Grünes

Wolf Grünes wird im Tiefenbacher Urbar des Jahres 1615 als Besitzer eines Zwei-Achtel-Hofs aufgeführt. Dass es sich bei dem fraglichen Hof um Hausnummer Obertiefenbach 7 (den späteren Lugnerhof, „beim Lougner“ genannt) handelt, lässt sich aus dem Alten Tiefenbacher Grundbuch und darin aufgeführte Besitzerfolgen ableiten.

Wolf Grünes und seine Ehefrau Magdalena haben eine Reihe von Kindern. In Schönfeld werden Jakob und Christina (später verheiratete Voith) getauft, der Name ihrer Mutter ist im Kirchenbuch mit Lena angegeben. Als Wolf Grünes Anfang 1616 verstirbt, sind im Grundbuch weiterhin die Töchter Katharina (später verheiratete Kraft) und Barbara (später verheiratete Lang), dazu ein Sohn namens Martin Grünes und ein Schwiegersohn namens Lorenz Zimmermann als Erben erwähnt.

Im Grundbuch ist vermerkt, dass Wolfs Witwe im Jahr 1616 den Zwei-Achtel-Hof an einen Hans Hess, Sohn des Leonhard Hess, verkauft hat. Grund ist, dass ihre Kinder noch minderjährig sind und dass sie selbst den Hof nicht bewirtschaften kann. Schwiegersohn Lorenz Zimmermann übernimmt jedoch später diesen Hof wieder von Familie Hess und verkauft ihn schließlich im Jahr 1642 an Hans Lugner, von dessen Nachkommenschaft der Hof den Hausnamen „beim Lougner“ bekommt und bis 1946 behält. Die verwandtschaftlichen Beziehungen der Familien Lugner, Hess und Grünes reichen weit in folgende Generationen hinein.

Daneben ist im Grundbuch angegeben, dass Wolf Grünes als Besitzer des Obertiefenbacher Hofs 7 seinen Bruder Michael ausgezahlt hat. Mit hoher Wahrscheinlichkeit handelt es sich um den in Schönfeld verheirateten Michael Grünes, für den im dortigen Traubuch auch tatsächlich angegeben ist, er stamme aus Obertiefenbach. Er heiratet dort im Jahr 1599 Katharina, die Witwe des Fuhrmanns Georg Fischer, und führt dessen Fuhrunternehmen fort. Bislang sind drei zwischen 1600 und 1606 geborene Söhne des Schönfelder Paares bekannt. Die gesamte Familie verstirbt dann leider in den Jahren 1612 und 1613, vermutlich an der Pest.

Auch ein Adam Grünes taucht im Schönfelder Kirchenbuch auf, als seine Tochter namens Margaretha im Jahr 1590 dort getauft wird. Seine Herkunft ist lt. Kirchenbuch Schönfeld ebenfalls der Ort Obertiefenbach. Könnte es sein, dass er der 1560 in Untertiefenbach geborene Sohn des Thomas und der Agnes Grünes ist? Dann wäre wohl auch der oben genannte Wolf Grünes in diese Familie einzuordnen und mit dem 1556 in Untertiefenbach geborenen Wolf identisch. Es könnte durchaus sein, dass die Familie von Untertiefenbach nach Obertiefenbach umgezogen ist oder dass die Söhne den dortigen Hof gemeinsam kauften.

Grünes-Familien in Untertiefenbach (16. Jahrhundert)

Jakob und Christina Grünes

Jakob und Christina Grünes lassen in den Jahren 1556 und 1558 zwei Kinder mit den Namen Margaretha und Andreas Grünes in der Schönfelder Katharinenkirche taufen. Ein Vermerk gibt an, Jakob komme aus Tiefenbach, und da die Taufpaten aus Untertiefenbach stammen, ist auch Jakob wohl diesem Ortsteil zuzuordnen. Jakob und Christina dürften um 1530 geboren sein.

Nikolaus „Nickel“ und Barbara Grünes

Auch für die Eltern Nikolaus und Barbara Grünes, die ebenfalls um 1530 geboren sein dürften, ist anlässlich der Taufe ihrer Kinder Markus und Margaretha in den Jahren 1557 und 1560 im Schönfelder Kirchenbuch der Herkunftsort Untertiefenbach eingetragen.

Thomas und Agnes Grünes

Mehrere Einträge in den Schönfelder Matriken beziehen sich auf die Familie von Thomas und Agnes Grünes, deren erster Sohn – Wolfgang – im Jahr 1556 in Schönfeld getauft wird. Eine Tochter namens Dorothea folgt im Jahr 1557 und anlässlich der Taufe des Sohns Adam am Valentinstag des Jahres 1560 ist im Schönfelder Kirchenbuch vermerkt, dass Thomas Grünes und seine Ehefrau Agnes aus Untertiefenbach stammen. Vermutlich sind die unter Obertiefenbach erwähnten Wolf und Adam Grünes Söhne dieser Familie.

Daneben sei erwähnt, dass sich in den Schönfelder Matriken auch Daten für einen Thomas Grünes mit zwischen 1568 und 1585 geborenen Kindern finden lassen, deren Mutter (mit Ausnahme der Tochter Barbara) als Ursula bezeichnet wird. Thomas und Ursula Grünes sowie die Kinder Georg, Katharina, Lorenz, Anna und Maria verstarben tragischerweise allesamt im Oktober 1585 an der Pest – ebenso die Tochter Barbara, deren Mutter als Margaretha bezeichnet wird. Noch nicht geklärt ist, ob diese Familie ebenfalls aus Tiefenbach stammte und ob es sich beim Familienvater um den vorab genannten Untertiefenbacher Thomas Grünes handelt, der sich vielleicht nach Schönfeld erneut verheiratete.

Angaben in Tiefenbacher Grund- und Schuldenbüchern (17. Jahrhundert)

Die Brüder Andreas und Melchior Grünes

Zu Beginn des 17. Jahrhunderts finden sich dann zwei Personen namens Grünes in den Dokumenten der unterhalb von Schönfeld liegenden Gemeinde Untertiefenbach, die zur Herrschaft Petschau gehörte. Es handelt sich um die Brüder Andreas Grünes und Melchior Grünes. Deren Geburtsjahre dürften um 1570 bis 1580 einzuordnen sein und sie werden wohl Nachkommen von Jakob, Nikolaus oder Thomas Grünes sein. Die Zusammenhänge sind derzeit noch nicht geklärt.

Fest steht aber folgendes: Am 12 November 1611 erscheinen die Brüder auf dem Petschauer Amt. Melchior erklärt, sein Bruder Andreas habe seine Schulden ihm gegenüber nicht beglichen. Aufgrund seiner Beschwerde wird ein amtlicher Vermerk im Obligationsbuch von Petschau eingetragen. Die Brüder einigen sich verbindlich auf eine Ratenzahlung. Andreas solle – so wurde es festgehalten – seinem Bruder binnen 14 Tagen einen Teilbetrag von 8 Gulden und 36 Kreuzern auszahlen. Im folgenden Jahr zu Martini würden dann die nach der Zahlung noch ausstehenden 17 Gulden 12 Kreuzern fällig. Zu beiden Zahlungen wird Andreas amtlich verpflichtet.

Vermutlich handelt es sich bei der angeführten Zahlung um die Auszahlung eines Erbteils, was davon abgeleitet werden kann, dass ein Andreas Grünes im Urbar der Herrschaft Petschau des Jahres 1615 als Besitzer eines Zwei-Achtel-Hofs aufgeführt wird. Der Name seines Bruders taucht in entsprechenden Besitzverzeichnissen nicht auf. Melchior ist demnach wohl ein jüngerer Bruder ohne Besitzanspruch auf den väterlichen Hof. Nachweislich sind beide Brüder 1629 noch am Leben. In diesem Jahr wird im Grundbuch von Tiefenbach vermerkt, dass Andreas seinem Bruder Melchior weiterhin Geld schuldet.

Grünes-Familien in Schönfeld (17. Jahrhundert)

Mindestens zwei Ehen eines Andreas Grünes lassen sich aus Einträgen in den Matriken des benachbarten Schönfeld ableiten. In diesen Einträgen ist jedoch angeführt, Andreas Grünes stamme aus Melissengrün, und damit ist wohl Müllersgrün gemeint (das der Priester offensichtlich nicht kannte und aus der Aussprache Melissengrün ableitete). Eine erste Ehe mit Dorothea, der Tochter des Hans Selinger (auch Seliger oder Seling) aus Schönfeld, erfolgte 1599. Das Paar bekam acht Kinder, die allesamt in Schönfeld getauft wurden. Da die Taufpaten aus Schönfeld kamen, handelt es sich beim Familienvater wohl nicht um den in Untertiefenbach lebenden Hofbesitzer Andreas Grünes. Ehefrau Dorothea, die in den Kirchenbüchern häufig auch als Margaretha bezeichnet wird, starb wenige Tage nach der Geburt ihrer Tochter Salome Grünes im Mai 1613. Vermutlich derselbe Andreas Grünes heiratete dann im November 1613 Maria, die Witwe des Christoph Neumann. Sie war eine geborene Kisling (oder Kißling) aus Schlaggenwald. Ich habe die Familie hier entsprechend zusammengefügt. da die Zeiträume zueinander passen.

Ob ein weiterer Andreas Grünes, der am 4 November 1627 in Schönfeld Katharina, die Witwe des Christoph Reuter (eine geborene Steinl), heiratete, mit dem Untertiefenbacher Hofbesitzer Andreas identisch ist, ist nicht wahrscheinlich. Denn er wird in den Matriken als Bergmann bezeichnet. Möglicherweise ist er aber ein Sohn aus einer Untertiefenbacher Familie. Sein Geburtsjahr dürfte um 1580 liegen.

Stammvater der Untertiefenbacher Grünes-Familien (ab 1636)

Johann Grünes, der Ältere (Hannß Krines)

Erst der ab 1636 in Untertiefenbach auftretende Johann Grünes ist nachweislich Stammvater einiger Untertiefenbacher Grünes-Familien mit verzweigter Nachkommenschaft. Seine Geschichte beginnt im benachbarten Neudorf, und wer sein Vater ist, ist bislang nicht bekannt. Johann Grünes dürfte gegen 1590 geboren sein, denn bereits 1621 kauft er von der Witwe des Georg Brandstetter den oberen Neudorfer Berghof mit den späteren Hausnummern 92 und 93 (vor 1805: 100 und 134).

Dieser Zwei-Achtel-Hof hatte sich vorher im Besitz seines Schwiegervaters Jakob Lugner befunden! Der verwandtschaftliche Zusammenhang wird deutlich, da im Grundbuch noch Ratenzahlungen an Jakob verzeichnet sind, in denen dieser als „Schweher“ = „Schwiegervater“ bezeichnet wird. Zudem ist durch weitere Neudorfer Grundbucheinträge nachweisbar, dass die Tochter von Jakob Lugner (Jacob Lueger) namens Susanne eine verheiratete Krines (=Grünes) war. Der Vorname ihres Mannes ist in den Einträgen für die Erbschaftsansprüche der Susanne nicht explizit angeführt, doch findet sich an anderer Stelle der Hinweis, dass es sich um Johann (Hans) Grünes handelt.

Johann Grünes und Susanne Lugner heirateten um 1628, etwa zu der Zeit, zu der Susannes Vater den Ort Neudorf verlassen musste, da er der lutherischen Religion nicht abschwören wollte. Nur wenige Jahre später verließen auch Susanne und ihr Mann den Ort Neudorf, jedoch wohl nicht aus Glaubensgründen. Es zog sie in das Tiefenbacher Tal, wo später auch Susannes Bruder Hans Lueger (Johann Lugner) lebte. Am 28 Dezember nämlich 1635 tauschte Johann Grünes mit Simon Pichl aus Grün seinen Hof in Neudorf gegen dessen Hof in Untertiefenbach. Da der Untertiefenbacher Hof im Wert unter dem des Neudorfer Hofs lag, wurden Ratenzahlungen vereinbart, die Johann Grünes von Simon Pichl erhielt. Diese Zahlungen waren am 9 April 1643 spätestens abgeschlossen.

Johann Grünes, der Jüngere

Johann Grünes, der Ältere, übergab am 3 Juli 1657 seinen Hof an seinen Sohn Hans (Johann Grünes, der Jüngere). Diesem werden im Grundbuch zwei Söhne nachweislich zugeschrieben. Sie heißen Georg und Simon.

Georg und Simon Grünes

Als Johann Grünes aufgrund seines Alters den Fünf-Achtel-Hof in Untertiefenbach nicht mehr führen konnte, übergab er ihn am 19 Januar 1699 an seine beiden Söhne Georg Grünes und Simon Grünes zum Preis von 500 Gulden. Zum Hof gehörten vier Pferde, vier Kühe und vier Kälber, dazu das gesamte Hausgerät. Der Vater erhielt wie üblich zusammen mit seiner Frau freie Herberge, dazu ein Tagwerk Wiese zur Nutzung und durfte einige Tiere halten, zusammen mit dem Anspruch auf Futter und Stroh. Im weiteren Verlauf wurde der Hof zwischen den Brüdern und unter ihren Erben aufgeteilt.

Die Nachkommen des Johann Grünes inkl. genauer Quellenangaben und Erläuterungen habe ich auf meiner Website mit genealogischer Datenbank dargestellt, soweit dies bislang möglich war. Änderungen und Ergänzungen sind jeweils vorbehalten, da die Recherchen für die Familien Grünes noch nicht abgeschlossen sind.

Hierzu der Hinweis: Familienaufstellungen erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit und werden im Rahmen weiterer Recherchen laufend korrigiert und angepasst. Der vorliegende Beitrag wurde zuletzt am 27 August 2022 aktualisiert.

Quellenangaben:
1) Urbar Becov nad Teplou 1615
2) Becov 2686, Obligationsbuch Petschau
3) Tiefenbacher Altes Grundt Buch, 1606-1794
4) Neudorfer Altes Grundt Buch, 1600-1779