Benedikt Roth war ein zu Reichtum gekommener Hopfenhändler. Bislang ist noch nicht geklärt, wer seine Eltern waren und aus welchem Haus in Neudorf er stammte. Doch weitgehend gesichert ist, dass er um 1677 geboren wurde. So errechnet sich dies aus den Altersangaben im Sterbematrikel. Benedikt Roth war sehr gläubig. Er stiftete der Neudorfer Kapelle hohe Geldbeträge und wird in Neudorfer Chroniken als Kirchenstifter bezeichnet.
Verheiratung mit der ersten Ehefrau namens Margaretha
Benedikt Roth war mindestens drei Mal verheiratet. Die erste Ehefrau, von der wir wissen, hieß Margaretha. Sie verstarb am 3 Februar 1729. Im Matrikel heißt es dazu: {Neudorf, 3 Februari, Ist Margaretha des Benedicti Roth eines Hopfenhändlers eheweib sonst geweste Stowasserin undt genante alte Willausin zu hiesiger pfarrkirch mit einem gesungenem Requiem begraben und 3 Tag zuvor von P. Ernesto Capellan mit allen heil. Sacramenten providiret worden. ihres alters 69 jahr.}
Ihr Alter ist mit 69 Jahren angegeben. Sie wäre demnach älter als Benedikt gewesen, doch sind Altersangaben häufig nicht gänzlich korrekt vermerkt. Kinder aus dieser Ehe sind bislang nicht bekannt. Doch ist im Grundbuch die Rede von einem Stiefsohn namens Johann Michael Stowasser, dessen Schwester Anna Barbara mit dem Hopfenhändler Franz Pichl aus Neudorf 11 verheiratet war und einen Sohn mit dem Namen Johann Peter Pichl hatte. Und da Benedikt in Chronikberichten der Pichl-Familie als Stiefgroßvater des Johann Peter Pichl bezeichnet wird, ist davon auszugehen, dass seine Ehefrau Margaretha die Witwe des Andreas Stowasser und Mutter des Johann Michael und der Anna Barbara Stowasser ist.
Die betreffenden Familien Pichl und Stowasser und auch Benedikt selbst engagierten sich stark als Baumeister und Stifter für den Neudorfer Kapellenbau und dessen spätere Erweiterung zur Neudorfer Kirche.
1730: Kauf des Neudorfer oberen Berghofs
Am 4 Oktober 1730 (nach dem Tod seiner ersten Ehefrau im Jahr 1729) übernahm Benedikt Roth den Zwei-Achtel-Hof mit den späteren Hausnummern 94/95 und den Achtelhof mit der späteren Hausnummer 58/59. Der Kaufpreis betrug 1.250 Gulden. Die Höfe gehörten zum damaligen Zeitpunkt in Form eines Drei-Achtel-Hofs zusammen und hatten sich vorher als „Berghöfe“ im Besitz der Lugners/Brandstätters und anschließend der Stowassers befunden.
1735: Verheiratung mit der Witwe Anna Franziska Barton
Nach dem Tod seiner Ehefrau Margaretha verheiratete sich der 58-jährig Witwer Benedikt Roth im September 1735 erneut. Braut war die ebenfalls verwitwete Anna Franziska Barton. In Benedikts späterem Testament wird diese als eine geborene Winkler bezeichnet. Der 1735 geschlossene Ehevertrag ist außergewöhnlicherweise im Neudorfer Grundbuch veröffentlicht. Benedikt wird darin als Handelsmann geführt. Er war zu dieser Zeit bereits ein erfolgreicher Hopfenhändler. Im Beisein ihrer Beistände legten die Eheleute ihren Ehevertrag (Heirathscontract) am 26 Februar 1736 auf dem Petschauer Amt vor. Braut und Bräutigam versprachen sich darin eheliche Liebe und Treue und dass sie einander beistehen und nie verlassen wollten bis in den Tod. Als Beistand für den Bräutigam trat Andreas Roth auf, als Beistand der Braut Johann David Petschner und Franz Petschner sowie Johann Joachim [Strembfriedl ?].
Der Bräutigam versprach, die von der Braut eingebrachten 700 Gulden zusammen mit 1000 Reichstalern von seiner Seite als ihr Erbe zurückzulegen, und bestimmte zusätzlich, dass 3.500 Gulden der damaligen Neudorfer Kapelle gespendet werden sollten, wenn in der Ehe keine Kinder erzeugt würden. Sollten Kinder zur Welt kommen, so solle diese Summe der Mutter und den Kindern zufallen. Sollten die Kinder jedoch unverheiratet sterben, solle wieder die erste Regelung – nämlich zugunsten der Neudorfer Kapelle – greifen. Tatsächlich gingen aus dieser Ehe zwei Kinder hervor, nämlich der 1736 geborene Simon Hermann Thaddäus und die 1738 geborene Maria Anna Josepha, die später dem Prämonstratenser-Orden beitrat und den Namen Monica annahm.
Umzug nach Petschau
Ab 1736 wohnte Benedikt Roth bereits in Petschau, wo er am 9 Dezember 1747 im Alter von 70 Jahren verstarb. Am 29 Dezember 1735 hatte er nämlich seinen Drei-Achtel-Hof mit den späteren Hausnummern 94/95 und 58/59 zum Preis von 1.250 Gulden an seinen Stiefbruder Franz Hubl abgegeben und selbst im Anschluss das Petschauer Haus eines getauften Juden mit dem Nachnamen Glückselig gekauft. Dieses Petschauer Haus trug die Nummer 7 und wurde Benedikt zusammen mit einem Branntweinbrennrecht sowie Felder, Wiesen und Wäldern verkauft.
Dritte Ehe mit Maria Anna [Ratka?]
Die dritte Ehefrau des Benedikt Roth hieß Maria Anna. Sie war eine Verwalterstochter aus Goslau und trug den Nachnamen Raka (oder Ratka). Die Ehe wurde – da die zweite Ehefrau, Anna Franziska Winkler, am 28 Mai 1739 verstorben war, um 1740 geschlossen.
Benedikts Testament
Nun zum Text des Testaments bzw. der interessanten Beschreibung des zugehörigen Vorgangs:
Übertragen aus der Neudorfer Chronik des Johann Peter Pichl (Abschrift): Im Jahre 1747 ist Benedikt Roth Petschauer Ratsverwandter ehemaliger Neudorf[er] aus Nro 95 krank geworden, diesentwegen ließ er den Johann Hubl aus Neudorf holen, welcher mit ihm die Hopfenhandelschaft geführen hat, er empfahl ihm auf seinem Krankenbett, daß er die in fremden Landen stehende Gelder einkassieren, und solche seiner Frau Marianna geborene Rankerinn [Ratka], Verwalters Tochter aus Goßlau übergeben möchte, und machte auch zugleich in der Gegenwart des besagten Hubels sein Testament solcher Gestalten, daß 4000 Gulden die Neudörfer Kapelle erhalten solle, wofür alle Sonn und Feüertäge ein gesungenes Amt in Neudorf für seine Seele gehalten werden solle. Dann sollte seine leibliche Tochter Marianna aus seiner Gemahlin Franziska Winker [Winkler] aus Petschau ex Nro 63 auch 4000 erhalten, welche nach der Zeit zu Petschau eine Kloster-Jungfer des Prämonstratenser Ordens geworden, den Namen Monica erhalten, und nach der Aufhebung des Stifts in Rudig gestorben ist. Dann vermachte er auch seiner besagten Ehegemahlin [Ratka] auch 4000 Gulden, nebst dem sollte ihr alles verbleiben, Haus, 3 Scheuer, die Waldungen, die Teiche und die übrigen Grundstücke. Allein seine Ehegemahlin wendet gleich ein, daß sie mit 4000 Gulden die Hopfenhandelschaft nicht werde bestreiten können, dießentweg bittet sie ihn, daß er auf Neudorf für die Kapelle nicht so viel Geld machen möchte. Er erwiederte hierauf gleich, daß er aus Dankbarkeit gegen seinen Gott dieß schuldig seye, indem er sich noch wohl an seine Armuth erinnere, wie er noch […] Beinkleider getragen habe, und dießentwegen seye der ganze Segen der allerheiligsten Dreyfaltigkeit zu verdanken, und weil er all sein Vermögen schon von Neudorf nach Petschau gebracht, und da nichts erworben habe, derowegen ist er auch für Neudorf bedacht. Da nun der Herr Pfarrer Hyazinth Hecht prämonstratenser Töpler Ordens gebürtig aus Eger dazu gekommen, so hat besagte Gemahlin selben ihre Gedanken entdecket, und gebeten, ob er den Kranken nicht auf einen anderen Weg erleiten könnte? dieser, da er nun mit dem Kranken von dem Testament zu reden kam, sagte: daß er selbst glaube für Neudorf 2000 Gulden hinlänglich zu seyn; jedoch wenn er auf seiner Meinung verharren wollte, so hielt er für rathsam, die anderen 2000 Gulden für sein Pfarrkirche zu vermachen, der kranke schlug ihm aber seinen Antrag ab, weil er solches zur Dankbarkeit für die allerheiligste Dreyfaltigkeit verlobet hatte, worauf Johann Hubl sich beurlaubte, der Kranke aber bat ihn, indem er immer ein guter freund gewesen, und ihm auch gutes gethan habe, nur noch wenige Tage zu verbleiben. Hubl willigte ein, und in seiner Gegenwarth kam bald wieder seine Tochter [vermutlich Tochter der dritten Ehefrau] und bat den kranken Vater wehmütig, daß er auf Neudorf nur 2000 Gulden vermachen sollte; der Vater nahm sie bei der Hand, küßte sie und sprach: Töchterle! Du verstehst es nicht, zu was dich deine Mutter anraitzet, deine Mutter kann mit dessen zufrieden seyn, wie du, du bekömmst 4000 Gulden danke dafür deinen Gott, und lasse dich dessen auf dem Rathhaus versichern, weine daher nicht, und küsse dafür meine kranke Hand, und gehe. es stund aber nich lang an, so kam seine Gemahlinn nochmals bitten, da stellte ihr der Kranke vor, sie möchte nur bedenken, was er ihr nebst den besagten 4000 Gulden hinterlasse, sie hätte ihr Eingebrachtes, obschon es in Wenigen bestunde, Heiratsgut zum heraus, er hinterläßt ihr ein volles Haus mit allen Pferden, und Rindern, Hausgeräthschaften, drey Scheuer, Schupfen, Felder und Wiesen, und andere Grundstücke mehrere, welche nur gering gerechnet 3000 Gulden zu stehen kommen, dann gehört ihr noch das Geld, so noch in fremden Landen stehet, hier ist mein Schwager, unserer Rechnung ist richtig beschlossen, und alles beschrieben, er wird dir die Gelder richtig einhändigen diesenwegen sey zufrieden mit diesen, und bete fleißig um ferneren Segen Gottes, gehe daher und lasse mich ein wenig ruhen und schlaffen, worauf er betete, der Hubl möchte sich auf seinen Schlafsessel setzen, und bei ihm wachen, jedoch nichts reden, außer er rufte; er schlief durch 2 Stunden, worauf er ein Glaß voll von seinen Wein verlangte; Demnach er solchen getrunken hatte, befahl er abermal – wie gesagt – sich in seinen Schlafsessel zu setzen, etwa nach einer halben Stunde rufte er wieder; und verlangte ein Glaß Wasser. Weil nun ihm seine Gemahlin hat reden gehört, ist sie in sein Zimmer gekommen und hat gefragt, wie er geschlafen hatte? er erwiederte: zwar recht gut, doch verspühre ich, daß mir schlimmer sey als gestern, kurz darauf kam auch ihr Bruder Joseph Racka, dieser fängt nochmals an: Schwager Benedikt! Ich bitte zum letztenmal um die 2000 Gulden, mögen auch der Neudorfer Kapellen 2000 Gulden. Woruaf der Kranke: Weil nun das Bitten, Flehen, und Weinen kein Ende nehmen will, so laßt den Stadtschreiber rufen, ich will, obwohl ungern eurer Bitte gewähren, es solle der neudörfer Kapelle nur 2000 Gulden erhalten, wovon 80 Amter an Sonn- und Feuertagen für mich, und mit einem Memento vor meine Freundschaft gehalten werden sollen, die neudörfer aber hingegen sollen verbunden seyn; demnach sie im Orte zu ihrer Bequemlichkeit Messe hören können – ein Pferd um den Herrn Geistlichen nach Petschau zu schicken. Dieses wurde also von dem H. Stadtschreiber niedergeschrieben, worauf er um seine Unterschrift gebeten, wo der Kranke sagte: Vor verdruß muß ich mich wegen den 2000 gulden unterschreiben, um nur nicht mehr das Gewinseln zu hören, um Ruhe zu bekommen; allein mit diesem Gelde werdet ihr kein glück und segen haben, weil es nach meiner Meinung ein verlobtes und geopfertes Geld ist, kaum wird es an den 3ten Erben kommen, den dritten Tag darauf den 9 Xmbris l. J. hat er nach Empfangung der heiligen Sakramenten im alter das Zeitliche mit dem Ewigen verwechselt, dieser selige war Stiefgroßvater von Johann Peter Pichl mütterlicher seits. dieses Geld wurde sogleich bei der gnädigen Obrigkeit auf Zinsen angelegt, dann weil am 1767 die Zünsen auf 4 pro cento herabgesetzet worden, hat das Würthschaftsamt nur 64 Amter abzuhalten bestimmt.
Quellenangaben:
1) Neudorfer Altes Grundt Buch, 1600-1779, 125 ff.
2) Matrikel für Nova Ves (Neudorf), www.portafontium.eu
3) Neudorfer Ortschronik des Johann Peter Pichl, 59 (33) ff.
4) Westböhmische Familienforschung: www.familienforschung-lugner.de



